Tuesday, 27 January 2015

Detox Vom Leben - Ein Selbstversuch

Letzten Juni hatte ich mir ein Projekt ausgedacht. Detox von meinem bisherigen Leben. Ich muss sagen, dass mich die zwei Jahre in England sehr verändert haben. Nicht nur dass mein Englisch noch besser geworden ist, sondern auch meine Einstellung zu meinem ganzen Leben. Früher habe ich Glück immer von allem Möglichen abhängig gemacht, wobei mich heute sehr viele Dinge glücklich machen.

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Genug ist genug
Was ich auch an mir feststellte, war die Gier mehr und mehr zu wollen. Mehr im Job, mehr Luxus, mehr Handtaschen oder einfach nur mehr von allem und am besten mit Sahne! Das musste ein Ende haben. Durch meinen stressigen Job kompensierte ich Quality Time, die ich nicht hatte mit Chanel und Prada. Ja, sie machen auch glücklich, aber sie definieren nicht den Menschen, der du eigentlich bist.

Ich nehme an, ihr habt schon öfter gemerkt dass die Sachen, die ich in letzter Zeit gepostet habe, teilweise nicht mehr erhältlich sind. Das liegt schlicht und einfach daran, dass sie nicht neu sind.
Klar habe ich mich gefragt wann euer Interesse abnehmen wird und ihr etwas neues sehen wollt, dennoch war es für mich wichtig von dem ganzen exzessiven Konsum etwas Abstand zu nehmen.
Früher habe ich schon beim Zähneputzen die MyTheresa und Outnet App durchforstet. Heute putze ich mir einfach die Zähne. Oder höre mir Meeresrauschen auf Youtube an :)

Es macht mir Spaß schöne Sachen zu besitzen und zu tragen, aber man sollte dabei wissen wer man ist und nicht nur was man hat und was man noch alles haben möchte. Natürlich werde ich nun nach meiner Detox Phase wieder kräftig shoppen gehen, so wie man nach einer normalen Detox Kur auch wieder normal isst - keine Angst :)

Eigentlich bin ich nicht der große Fan von "Selbstfindung", aber ich denke das war genau das, was ich gebraucht habe. Nicht etwa dass ich nun ein halbes Jahr durch Indien laufen musste oder meditieren. Ich habe meinen damaligen Job gekündigt und habe angefangen zu freelancen. Keinen "Job" mehr, sondern etwas, was mir Spaß macht. Etwas wofür ich mir im Studium den Allerwertesten aufgerissen habe und etwas wofür mein gesunder Menschenverstand bezahlt wird, nicht die Launen eines koreanischen Elektronikherstellers. Ja, ich weiß, das sollte nun besser keiner lesen der in HR arbeitet, aber ich wollte wieder Spaß im Job und damit auch in meinem Leben haben.
Eine Headhunterin fragte mich vor ein paar Monaten ob "Freelancen" bedeute man wäre arbeitslos? Nun muss ich sagen, dass ich ihr ein bisschen mehr Kompetenz zugetraut hätte. Nein, freelancen macht Spaß, da man sich oft Projekte aussuchen kann. Und bei weniger schönen Projekten mehr verdient. Du arbeitest einfach selbstständig. Man kann auch selbst entscheiden ob man mehr Geld oder mehr Freizeit haben möchte - wobei ich sagen muss, dass ich lieber ganz ausgelastet bin.
Durch die Freiheit, die ich in den letzten Monaten (fast ein Jahr) als mein eigener Herr gewonnen habe, habe ich mich wirklich selbst gefunden und viel über mich gelernt! Die Gedanken sind frei! Und werde ich wieder einen Job in einer großen Firma annehmen, werde ich genau hinsehen und mich auch viel besser in allem zurechtfinden, da ich nun weiß was ich am Leben schätze. Auch die kleinen Dinge!
Das Sonnenlicht (welches ich so gut wie nie in dem Großraum Office gesehen habe), die frische Luft (die ich nie gerochen habe, da man die Fenster nicht öffnen konnte), ehrliches Essen (und nicht fette Fritten mit paniertem Fisch).

BACK TO THE FUTURE - Oder auch: Bond Street, ich komme!
Vor ca. einer Woche habe ich meine Transformation gespührt. Ich bin anders geworden, was auch gut ist. Vielleicht sogar freundlicher. Und ein bisschen dicker (wobei das so langsam abnimmt) :) wodurch ich wahrscheinlich auch mehr Nerven habe!

In Deutschland - oder vor allem Nürnberg - kam es mir oft (nicht immer) so vor, dass man in teureren Geschäften wie Müll behandelt wird, wenn man nicht arrogant ist und mit einem Louis Vuitton Täschchen hereinspaziert kommt (die Dame im Breuninger hatte wohl noch nichts von Stella McCartney gehört - mir soll es recht sein). Früher habe ich mich darüber aufgeregt. Heute denke ich mir "Du bist einfach arm". Nicht finanziell, sondern menschlich.

Arroganz ist etwas für dumme Menschen ohne Selbstwertgefühl. Oft fällt mir zum Beispiel auf, dass viele Frauen niemals zurücklächeln, wenn ich sie anlächel. Dann kommen sie sich vor als wären sie mir überlegen. HA! Ich habe noch nie ein schönes, oder auch nur im entferntesten Sinne vorteilhaftes arrogantes Gesicht gesehen. Man sieht immer etwas, hm, sagen wir dümmlich aus.
Neulich ist mir mal wieder "so eine" über den Weg gelaufen. Wir standen beide in einer Schlange. Sie musterte mich von Kopf bis Fuß und als sie endlich in meinem Gesicht angekommen war, lächelte ich sie an. Worauf sie mich eiskalt - eben dümmlich arrogant - anblickte und ihre Augen zu kleinen Sehschlitzen verzog (sieht vor allem über 30 auch nicht mehr besonders gut aus). Ich glaube sie wollte ein bisschen "Der Teufel Trägt Prada" nachmachen - mit ihrem Fake Täschchen nur leider nicht besonders erfolgreich.
Dank meiner Transformation habe ich mich nicht im Geringsten gedemütigt gefühlt, sondern habe ausversehen sogar angefangen loszulachen! Es tut so gut einfach über Dinge zu lachen! Nicht die Reaktion die wir beide erwartet hätten! Es sah sogar ein bisschen so aus als wäre es ihr nun peinlich :)

Aber nun zum modischen Teil. Mein Experiment ist beendet. Es darf geshoppt werden :) Diese Woche will ich mir eine richtige Liste zusammenschreiben - was mein Herz begehrt. MyTheresa und The Outnet werden auch wieder durchforstet. Gemütlich, bewusst auf auf dem Sofa. Mit Genuss, nicht mit Gier. Mein Mood Book ist auch schon in Bearbeitung und Mode, einkaufen, anziehen und Haare kämmen sind ja ein großer Teil von mir. Allerdings möchte ich mich nicht mehr von "DIESEN Schuhen" oder "DIESER Tasche" wie von einem Dämon befallen lassen, der ständiges Ausschau halten fordert. Man übersieht einfach so viele kleine, wunderschöne Dinge im Leben, die es eigentlich lebenswert machen.

Also, Selfies (mein liebevoller Kosename für Selfridges) und Bond Street, GLAD TO BE BACK.